Hansis Lärchenbrücke für die Saalemauer

Volksstimme vom 15.07.2013

Foto Thomas Linßner

Emsig tätiger Verschönerungsverein Calbe hat einen weiteren Hingucker auf die Sockel gesetzt

Im Herbst soll die „Saalemauer“  fertig sein. Die 78 ehrenamtlichen Mitglieder des Verschönerungsvereins wollen dann dieses attraktive Areal an der Bernburger Straße den Calbensern übergeben. Am Freitag schwebte eine schöne Holzbrücke am Kranhaken.

 
Von Thomas Linßner 
 
Calbe l Ein großer Akt war es für das Dachdecker-Mobil von Hansi Demele nicht, das Leichtgewicht an Ort und Stelle zu platzieren. Zimmerer Stefan Schulze bugsierte behutsam per Fernsteuerung die Holzkonstruktion auf die Widerlager, wo sie für fortan ein großes Wasserrohr überbrückt. „Die Bogenbrücke hat Demele aus Lärchenholz gebaut“, erklärt Initiator Klaus Weila.
Wegen seiner Witterungsbeständigkeit gilt es als besonders haltbar und braucht nicht behandelt zu werden. Früher bestanden auch die Hauptbalken von Mühlenflügeln daraus. Wie fast immer ist die Brücke eine Sponsorleistung. Die Lokomotiven des Verschönerungsvereins Rudi Conrad und Klaus Weila bringen es immer wieder fertig, heimatverbundene Calbenser zu aktivieren. Zu denen seit Jahren auch Hansi Demele zählt, der immer zur Stelle ist, wenn es um das Allgemeinwohl geht.
Und weil der Verschönerungsverein schon allein wegen seines Namens einen gewissen Anspruch erhebt, ist das auch auf die Brücke übertragbar. „Die Konstruktion passt sich optisch den Bögen der Mauer an“, erklärt Klaus Weila. Von der „Seeseite“ der Saale sieht man das besonders gut, wenn man mit dem Schiff anlegt oder über den Mönchswerder spaziert.
Diese Bögen, eine Kombination von Ziegel- und Kalkbruchsteinen, waren Jahrzehnte von Erde bedeckt. Wie Weila sagt, war die Anböschung eine Notlösung, um den Druck der darüber verlaufenden Bernburger Straße zu mindern. Was sich zwar als „praktisch“ erwies, aber das Werk unserer Vorfahren mit Füßen trat.  Damit das Ganze nach der Freilegung nicht „abrutscht“, wurde innerhalb von drei Tagen eine Mauer geschalt und betoniert. Auch die Treppe mit ihren 30 Stufen zählt zu den aufwändigsten Arbeiten.
Mit dem Sichtbarwerden der Mauer wurde plötzlich auch das Interesse der Denkmalpflege geweckt. Wenn sich zuvor niemand so recht für das hohe Ufer der Innenstadt interessierte, geschah das jetzt. Die Denkmalschutzbehörde sprach einen Baustopp aus, bei der nachfolgenden Begehung wurde das Mauerwerk in Augenschein genommen. Bis zum damaligen Zeitpunkt stand lediglich das Kriegerdenkmal unter Denkmalschutz, die Saalemauer nicht. Was Weila und Kollegen freigelegt hatten, wurde nun mit sofortiger Wirkung unter Denkmalschutz gestellt. Dabei kam es zur lautstarken Auseinandersetzung mit einem Behördenvertreter, die man beinahe bis zum Markt hörte. „Wir mussten uns sagen lassen, dass das alles Murks ist, was wir machen“, erinnert sich Weila. 
Tage später kam es dann zum Konsenz. Der Materialeinsatz für den sichtbaren Bereich wurde abgestimmt. Es soll ein historischer Mörtel eingesetzt werden, auch das Aussehen des Fugenbildes wurde abgesprochen.
„Wenn ich mal mehr Zeit habe, möchte ich mich mit der Geschichte der Saalemauer beschäftigen“, sagt Klaus Weila. So wisse man nicht, wann die Bögen gebaut wurden. Gibt es einen Zusammenhang mit dem Kanal, der vor über 200 Jahren von dieser Stelle nach Groß Salze führen sollte?
Die Arbeiten des Verschönerungsvereins kann man auf dessen Internetseite verfolgen.